Übersetzungs-Apps: Wo bitte geht’s zum Zug-Kalender? Ein Test.

Die schöne neue Welt der Smartphones und Tablets verschafft auch im Reiseverkehr Erleichterung. Dank GPS-Ortung, Navigationssystemen sowie vieler Apps zur Hotelsuche und Fahrplanauskunft kommt man heute (meist) auch im Ausland recht einfach an das gewünschte Ziel. Doch was, wenn man mit der einheimischen Bevölkerung in Kontakt treten muss und die Landessprache nur unzureichend oder gar nicht beherrscht? Übersetzungs-Apps sollen hier für Abhilfe sorgen – doch halten sie, was sie versprechen?

An sich sind Apps auch auf Reisen eine feine Sache: Wer beispielsweise ein Android-Smartphone oder – Tablet besitzt, klickt einfach schnell in den google-Playstore und gibt den jeweiligen Suchbegriff ein. Beispielsweise „Reise“.  Viele Apps zu Reisegebieten oder zu öffentlichen Verkehrsmitteln gibt es da oder auch Routenplaner. Beim Stichwort „Übersetzung“ wird gleich an erster Stelle der google-Übersetzer angezeigt – mit über 100 Millionen Downloads eine der beliebtesten Apps zu diesem Thema.

„Durchbrechen Sie Sprachbarrieren“ steht im Untertitel. Das klingt vielversprechend, ebenso wie die Tatsache, dass man sich Sprachpakete herunterladen und die App dann später auch offline nutzen kann. Mithilfe der google-Übersetzungs-App ist es sogar möglich, sich das gesuchte Wort oder einen ganzen Satz von der Übersetzungs-App ansagen zu lassen, wenn man bezüglich der Aussprache unsicher ist.

Das ist alles toll, denn wie oft kommt man im Ausland in die Situation, dass man die Landessprache entweder nicht beherrscht oder einem just im falschen Moment ein bestimmtes Wort nicht einfällt.

Rechtzeitig vor Beginn der Feriensaison habe ich diese App für meine Workshop-Teilnehmer getestet. Damit die Ergebnisse ausreichend bewertet werden konnten, habe ich die Varianten Deutsch-Französisch, bzw. Französisch-Deutsch gewählt.

Lesen Sie hier die Ergebnisse meines (nicht ganz wissenschaftlichen) Tests:

Zunächst habe ich einfache Begriffe zu Alltagssituationen eingegeben, die ich vom Deutschen ins Französische übersetzen ließ. Leider bringt schon die allererste Übersetzung mein Vertrauen in die google-App stark ins Wanken. Sie übersetzt die Grußformel „guten Tag“ nämlich flott mit „bonne journée“. Das wäre zwar die wörtliche Übersetzung, doch würden Sie mit diesem Gruß bei Ihren französischen Gesprächspartnern für Verwunderung sorgen. „Bonne journée“ sagt man nämlich beim Abschied und meint damit, dass man seinem Gegenüber einen „schönen Tag“ wünscht. Richtig wäre natürlich „bonjour“ gewesen.

„Auf Wiedersehen“ wird von der App dann aber korrekt mit „au revoir“ übersetzt. Nun geht es weiter mit alltäglichen Begriffen und teilweise lustigen Ergebnissen: Dass ein „Fahrplan“ kein „calendrier“ (= Kalender) ist, wie die Übersetzungs-App einem weismachen will, merkt man leider nur, wenn man Grundkenntnisse der französischen Sprache hat. Vielleicht arbeitet dieses Programm ja auch überkorrekt und man muss die Begriffe GANZ genau definieren. Also gleicher Versuch mit „Zugfahrplan“. Das Ergebnis ist hier noch verblüffender, denn die App behauptet, das hieße „train Schedule“ in Französisch. Vielleicht gibt es ja solche neuen französisch-englischen Wortschöpfungen, doch das gute alte (und richtige) „horaire des trains“ wollte die App leider nicht ausspucken.

Ob die App einfach solche englisch angehauchten Wort-Kreationen mag? Dass „Bahnsteig“ in Französisch von ihr mit „plate-forme“ übersetzt wird, scheint dies zu bestätigen, denn „platform“ heißt der gesuchte Begriff ja in Englisch. Im Französischen wäre „quai“ richtig gewesen.

Nun aber der Härtetest: Ob die App wohl ganze Sätze einigermaßen plausibel übersetzt? Wenn Sie in Frankreich (so will es die App) die Frage „Hat der Zug Verspätung?“ mit „A le train retards?“ stellen, kann man das noch einigermaßen verstehen. Obwohl auch das leider ein wenig seltsam und sprachlich nicht richtig übersetzt wurde. Für große Heiterkeit dürfte stattdessen die Frage „Combien horloge fait le train pour Lyon?“ als von der google-App vorgeschlagene Übersetzung von „Um wieviel Uhr fährt der Zug nach Lyon?“ sorgen.

Damit Sie sich – falls Sie nicht Französisch sprechen – vorstellen können, wie „krumm“ solche Übersetzungen für die Einheimischen klingen, hier einige französisch-deutsche Varianten aus der Feder des google-Übersetzers:

Eingabe: „Avez-vous du pain?“ App-Vorschlag: „Sie Brot haben?“

Eingabe: „Parlez-vous allemand?“ App-Vorschlag: „Du sprichst Deutsch?“

Das klingt beides etwas holprig, zugegeben, doch zumindest erahnen Ihre Gesprächspartner, was Sie damit meinen. Verwirrender wirkt stattdessen die App-Übersetzung für das typisch-französische „ça va?“ mit dem sich Freunde und Bekannte erkundigen, wie es Ihnen geht. Sie lautet: „Es ist in Ordnung?“.

Mein Fazit:

Einzelne Begriffe kann man wirklich gut mithilfe der google-Übersetzungs-App ermitteln – sofern man die Richtigkeit der Lösung einigermaßen bewerten kann. Damit lassen sich sprachliche Lücken im Ausland bei Bedarf gut schließen. Einige Internet-Foren oder auch die Zeitschrift Chip loben die google-Übersetzer-App sogar überschwänglich: „Mit „Google Übersetzer“ haben Sie Ihren kostenlosen Dolmetscher immer dabei.“ Toll ist wirklich, dass es den google-Übersetzer für so viele – teilweise sehr exotische – Sprachen gibt. Sehr praktisch ist auch die Offline-Nutzung der App, wobei man natürlich beim Herunterladen der Sprachpakete dosiert vorgehen sollte, damit die Kapazität des Smartphones oder Tablets nicht zu sehr strapaziert wird.

Mit Vorsicht zu genießen ist die Genauigkeit der Übersetzungen. Sätze werden vom Programm in der Regel Wort für Wort übersetzt – mit den bereits geschilderten und für Verwirrung sorgenden Folgen.

Meine Empfehlung: Wenn Sie nicht sicher sind, ob die Übersetzung stimmt oder Sie keine andere Möglichkeit haben, halten Sie Ihren Gesprächspartnern einfach den Vorschlag der google-Übersetzungs-App vor Augen und hoffen Sie, dass Ihr Gegenüber im Zweifelsfall über Phantasie und Humor verfügt. Wenn Sie auf Nummer Sicher gehen wollen, nehmen Sie auf Ihre Reise lieber einen der guten alten Sprachführer in Buchform mit. Dort sind die Übersetzungen zumeist von fachkundigen Menschen und nicht von einem Computerprogramm erstellt worden und führen Sie mit weit höherer Wahrscheinlichkeit an das gewünschte Kommunikations-Ziel.

Wie waren Ihre Erfahrungen mit Übersetzungs-Apps? Haben Sie vielleicht einen guten Tipp zu diesem Thema? Ich freue mich auf Ihre Kommentare!

Gute Reise wünscht Ihnen

Barbara Gruber-Stahl

Termine für Tablet-Workshops auf Anfrage.

Weiterführende Links:

http://beste-apps.chip.de/android/app/google-uebersetzer-android-app,com.google.android.apps.translate/

https://play.google.com/store/apps/details?id=com.google.android.apps.translate&hl=de

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